Dreiste Datensammler Die Dossiers der Trickbetrüger

Die Trickbetrüger geben erst auf, wenn sie ihren Opfern den letzten Cent aus der Tasche gezogen haben. Foto: imago

Wie dreist! Die Banden sammeln über Jahre Daten und probieren damit, den Opfern den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen. Viele Münchner Senioren sind die Opfer. 

München -  Moderne Datenerfassung macht’s möglich. Die Banden sammeln alle Informationen über Menschen, die sie im Visier haben. Sie melden sich immer wieder bei ihnen, manchmal über Jahre hinweg. Ein 70-Jähriger aus Laim erhielt kürzlich einen Anruf, angeblich von einem türkischen Polizisten. Er wusste, dass der Münchner 2014 Opfer eines Betrugs geworden war.

Darauf baute er seine Geschichte auf. Der falsche Polizist behauptete, es sei gelungen, in der Türkei einen der Gangster ausfindig zu machen. Damit der Verdächtige festgenommen werden kann, sollte der 70-Jährige eine Gebühr bezahlen. Der Münchner überwies mehrere Tausend Euro. Erst als der angebliche Polizist erneut anrief und noch mehr Geld verlangte, schöpfte das Opfer Verdacht und ging in München zur Polizei.

Täter kennt sogar den Namen des Polizisten

Auch eine Rentnerin (81) aus der Altstadt fiel auf den Trick herein. "Kein Polizist wird für seine Arbeit vom Opfer Geld verlangen", betont Uwe Dörnhöfer, Chef der Arbeitsgruppe "Phänomene" beim Polizeipräsidium München. "Offenbar legen die Banden regelrechte Dossiers an", sagt Uwe Dörnhöfer. Auf die Daten greifen die Täter immer wieder zurück, dadurch wirken sie auf die Opfer umso glaubwürdiger.

Ein Gauner verwendet sogar den Namen des Münchner Chef-Fahnders. Er sei "der Uwe von der Arbeitsgruppe" behauptete er. "Meinen Familiennamen hatte der Mann nicht parat", erzählt der echte Dörnhöfer. Ein 67-Jähriger aus Harlaching wurde im Mai mit dem Lotterietrick hereingelegt. Er habe einen Glückspielvertrag abgeschlossen und die Beiträge nicht bezahlt, behauptete ein Anrufer.

Der Fremde drohte mit Pfändung und Inkassobüro. Aus Angst bezahlte das Opfer. Woche später erhielt der Rentner einen weiteren Anruf. Diesmal hieß es, er habe 250.000 Euro gewonnen. Der 67-Jährige müsse, für Steuern, Verwahrung und Transport bezahlen. Der Anrufer verlangte über 10 000 Euro. Der 67-Jährige überwies Geld auf Konten in der Türkei und Deutschland.

Jeden Cent aus der Tasche ziehen

Auch eine 77-Jährige aus Gräfelfing wurde im Oktober mit einem angeblichen Lotteriegewinn über 180.000 Euro geködert. Sie überwies Geld an einen Notar. So wie auch ein 84-Jähriger aus Untermenzing. Er bezahlte an einen Anwalt wegen einer Gewinnspielmitgliedschaft. Die Täter geben erst auf, wenn sie den Opfern jeden Cent aus der Tasche gezogen haben.

"Es gibt Leute, die haben ihre Wohnung verkauft oder Kredite aufgenommen", erzählt Uwe Dörnhöfer. "Manche von ihnen haben alles verloren". In solchen Fällen überreden Gauner die Opfer dazu, ihnen Zugriff auf deren Konto zu ermöglichen.

Über die Bankverbindungen laufen später dann kriminelle Geschäfte. Der Kontoinhaber macht sich, ohne es zu ahnen, der Geldwäsche schuldig und wird damit selbst zum Straftäter.

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